32. Beitrag

Es ist mehr als nur ein guter Brauch, zu Silvester das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Es ist vielmehr die Gelegenheit zum Nachdenken -über das, was wichtig war in diesem Jahr, und was wichtig wird im nächsten Jahr. Dazu ein paar Gedanken von Albrecht Gramberg und Götz Frommer (Karlshorst-Netz):

Für uns ist die eindrücklichste Erfahrung des Jahres: Zu erleben, wie sich ein soziales Netzwerk, das als offenes und ungewisses Experiment begann, zu einem Erfolgsmodell nachbarschaftlicher Kommunikation entwickelte.

Die Vorgehensweise, Informationen zusammenzutragen, selbst auszuwerten, ohne Empörung oder aufgeregtes Lärmen verständlich aufzubereiten und zu veröffentlichen, um sie dann gemeinsam zu diskutieren, ist das eigentlich Neue, denn die bisherigen Bürgerversammlungen, Stadtteildialoge, Pressemitteilungen etc. sind weitgehend informationstechnische Einbahnstraßen. Mit jeder Veröffentlichung wurde die komplexe Welt der Kommunalpolitik transparenter, die Fehler und Schwächen traten deutlicher zutage. So wuchs die Erkenntnis, dass (öffentliche) Entscheidungen nicht einfach hingenommen werden müssen, sondern sich bei intensiver Prüfung als äußerst kritikwürdig erwiesen.

Die so entstandene Gegenöffentlichkeit ist auch eine Herausforderung für die Kommunalpolitik, denn jetzt erscheinen gut informierte Bürger, stellen wohlbegründete Fragen und verhandeln auf Augenhöhe.

In dem Maße, wie sich immer mehr Karlshorster an der Diskussion beteiligten, fanden ganz unterschiedliche Nachbarn zusammen, um ihre gemeinsamen Interessen zu formulieren und Wege zu deren Umsetzung auszuprobieren. Vieles davon ist neu, ein Erfolgsrezept gibt es nicht und der Mut zu scheitern gehört dazu. Aber genau das macht (für uns beide) den besonderen Reiz dieses Experimentes aus und begründet die Hoffnung, dass sich noch mehr Nachbarn beteiligen.

Schätzen wir uns glücklich, dass eine solche „Einmischung in die eigenen Angelegenheiten“ in unserem Land möglich ist, denn unsere Demokratie ist immer so stark, wie wir sie machen. Sie baut darauf, dass wir unsere -auch unbequeme- Meinung, sagen, für unsere Interessen streiten. Und sie setzt uns der ständigen Gefahr aus, dass auch einmal der andere Recht haben könnte.