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„Die Enkelin“ von Bernhard Schlink

Viele Bücherfreunde kennen Bernhard Schlink, zumindest, wenn man sein wichtigstes Buch „Der Vorleser“ erwähnt, das auch verfilmt wurde. Er ist Jurist und Schriftsteller; eine Kombination, die sich auch bei anderen Autoren findet.

Sein jüngstes Werk „Die Enkelin“, in dem er das Spannungsfeld zwischen der menschlichen Psyche und den politischen und persönlichen Gegebenheiten herausgearbeitet, offenbart erneut sein schriftstellerisches Talent. Spannend und schlüssig im Verlauf wird unsere Zeit an drei Generationen dargestellt. Der Roman ist entsprechend in 3 Teile gegliedert.

Teil 1 beleuchtet das Aufeinandertreffen zweier junger Menschen aus Ost und West im DDR-Berlin. Aus Liebe findet der einfallsreiche, zielbewusste junge Mann Wege, seine Freundin in den Westen zu holen. Warum ihr gemeinsames Leben nach Jahren dort tragisch endet, weist auf nicht verarbeitete Erlebnisse der Frau hin und macht deutlich, dass solche Lebensbrüche auch Verluste beinhalten und dass Entscheidungskraft nicht nur darin besteht, die Seiten zu wechseln.

Der 2. Teil befasst sich mit der Spurensuche nach dem “Vorleben“ seiner Freundin. Er findet ihre ihm bis dahin verschwiegene Tochter und lernt deren Schicksal vor dem Hintergrund des aufgelösten politischen Systems der DDR und der entstandenen Ziellosigkeit der jüngeren Generation im neuen Deutschland kennen. Ein falsch verstandener Freiheitsbegriff zeigt sich in dem erschreckenden Phänomen, sich rechtsgesinntem Gedankengut zuzuwenden, aufbegehrend bis zur Radikalität.

Im 3. Teil begegnet uns die in einer solchen familiären Situation zu Ordnung und Härte erzogene „Enkelin“ mit ihrem narzisstischen Weltbild. Der als ideale Lichtgestalt in allen 3 Teilen des Romans dargestellte Protagonist, der unechte Großvater, bewirkt eine Wende im Denken und Handeln der musisch hochbegaben Enkelin.

Die Lektüre ist aufschlussreich, macht nachdenklich und ist trotzdem keine „harte Kost“.

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