Bedroht: Trabrennbahn Karlshorst

Heute noch das grüne Tor zur Wuhlheide. Morgen mit bis zu 1.000 Wohnungen bebaut?

Liebe*r Berliner*innen!

Die jetzige Nutzung des Geländes der Trabrennbahn als Sport- und Grünfläche ist in Gefahr, denn dort wird eine umfangreiche Bebauung geplant

Mit dieser Bebauung wäre der Reitsportstandort gefährdet, wertvolle Biotope würden zerstört und die Kaltluftschneise aus der Wuhlheide unterbrochen. Die letzte große Freifläche in Karlshorst würde den Investoreninteressen geopfert, statt sie im Sinne des Gemeinwohls zu entwickeln.

Der Karlshorst e.V. und eine Arbeitsgruppe aus engagierten Bürgern hat sich intensiv mit diesem Projekt beschäftigt und (möglichst) alles verfügbare Material zusammengetragen. Hier finden Sie einen ersten Überblick. Für einen tieferen Einstieg sind im Text Verweise auf weiterführende Informationen enthalten.

Sollten Sie denken “was kann ich allein schon erreichen?”, das ging allen Aktiven anfangs auch so. Mitmachen lohnt sich, denn es wurde bereits eine Menge erreicht! Auf dieser Seite erfahren Sie, welche konkreten Möglichkeiten zur Mitgestaltung Sie haben. 

Wir würden uns im Interesse eines lebenswerten Bezirks und Berlins sehr über Sie und Ihre Unterstützung freuen.

Worum geht es?

  • Das zum Teil gesetzlich geschützte Biotop auf dem Gelände der Trabrennbahn ist in Privatbesitz. Die Eigentümer möchten Flächen verwerten und auf dem Gelände 4- bis 6-stöckige Gebäude mit Wohnungen und Gewerbeflächen bauen.
  • Dabei geht es nicht etwa nur um sozialen Wohnungsbau, der maximal 30% ausmacht. Der größte Teil sind teure Eigentumswohnungen, so dass insgesamt Platz für bis zu 2.000 neue Anwohner geschaffen werden soll – aus dem ursprünglichen Quadratmeterpreis von 54 Cent wird ein Bodenwert von etwa 100 Millionen Euro geschaffen.
  • Das Bezirksamt scheint sich diesem “Verwertungsdruck” zu beugen, argumentiert mit der “Rettung der Trabrennbahn” und hat deshalb ein den Interessen der Investoren dienendes städtebauliches Konzept [1] vorgestellt, das eine entsprechende Bebauung vorsieht – eine Rettung der Trabrennbahn wird durch dieses Konzept jedoch nicht ermöglicht. [2, 44]
  • Trotz andauernd starkem Gegenwind aus der Bevölkerung [u.a. 3] soll das vorgestellte Konzept durchgedrückt werden. [4]
  • Die Planung erfolgt ohne längst überfälligen Infrastrukturausgleich: Schulen, Sport, Läden, Ärzte, Kultur, Kneipen, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, sowie ein belastbares Verkehrskonzept fehlen schon seit langem. [5] Die Planung enthält eine Kita, die lediglich 70 Plätze dort können im Verhältnis zur geplanten Bebauung kaum als Zugewinn gewertet werden.
  • Ein im bisherigen B-Plan [6] geplanter Schulstandort soll entfallen. [7, 8]
  • Wenn das Konzept wie geplant umgesetzt wird, gehen gesetzlich geschützte Biotope sowie Grün- und Erholungsflächen unwiederbringlich verloren.
  • Der innerstädtische, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare Pferdesport wird gefährlich zurückgedrängt.
  • Die Trabrennbahn ist defizitär, die teils denkmalgeschützte Anlage verwahrlost. Hier kann eine häufig verwendete Strategie der Spekulation vermutet werden.

 Wer ist für die Bebauung?

  • Die privaten Eigentümer der Grün- und Erholungsflächen,
     
  • gegenüber dem Bezirksamt und den Einwohnern Berlins vertreten vom Baustadtrat / Bürgermeisterkandidat Kevin Hönicke (SPD),
     
  • sowie den die Diskussion mehrheitlich führenden politischen Akteuren: 
     
    • Die SPD [38, 39], in direktem Gespräch u.a. Innensenator Andreas Geisel (SPD),
       
    • der im Hintergrund wirkende ehemalige Berliner Bürgermeister Walter Momper (SPD), 
       
    • Der Bürgerverein Karlshorst, [42]
       
  • …sowie 1 % der Berliner*innen die bei der Bürgerbeteiligung antworteten. [43]

Was spricht gegen die Pläne von Eigentümern und Bezirk?

  • Die Frage “Was soll mit der Trabrennbahn geschehen” ist nicht neu. Seit fast 20 Jahren diskutieren Bürger, Vereine, die Bezirksämter, Betreiber und die Eigentümer in mindestens zwei Projekten [9, 10] konkrete Konzepte zur Entwicklung der Trabrennbahn und des Gesamtstandorts Wuhlheide.
    • Bei all diesen Projekten waren Experten und auch umfangreich die Bürger beteiligt. [u.a. 9-13]
    • Die Arbeitsergebnisse [9, 10] schlagen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten vor, die ausdrücklich keine Wohnbebauung vorsehen. Und das aus gutem Grund:
      • Die zur Bebauung avisierten Flächen sind laut dem bestehenden Flächennutzungsplan für Grünflächen, Sport und Erholung ausgewiesen.
      • Durch Bebauung und Versiegelung droht die unwiederbringbare Vernichtung einer der letzten zusammenhängenden Grün-, Frei- und Sickerflächen.
  • In einem weiteren 300.000 Euro teuren mit EU-Mitteln kofinanzierten Projekt aus 2011-2014 wird erneut an der Entwicklung der Trabrennbahn als Bestandteil des Standorts Wuhlheide gearbeitet. [u.a. 11-15
    • In bemerkenswerter Weise [16], und auch erst nach mehrfacher Nachfrage, ist von diesem Projekt im Bezirksamt nur die 11-seitige Einleitung des Abschlussberichts auffindbar. 
      • Die wesentlichen Anlagen lagen zunächst vorgeblich nicht vor, erst auf Anfrage unserer Arbeitsgruppe auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes [17] direkt beim Senat wurde nunmehr seitens der Senatsverwaltung eine erneute Bereitstellung des vollständigen Berichts an das Bezirksamt veranlasst.
  • Wird das jetzige Konzept wie geplant umgesetzt, gehen Naherholungs- und Grünflächen verloren, die maßgeblich zu einem gesunden Stadtklima beitragen:
    • Mit Ausrufen der Klimanotlage in Berlin hat der Senat einen Maßnahmenkatalog beschlossen, u.a. zur Sicherung und Ausweitung der Grünflächen. [18, 19]
    • Der Bereich der Trabrennbahn ist im Verbund mit der Wuhlheide eine wichtige Kaltluftschneise, deren Funktion durch die Bebauung beeinträchtigt würde. [20]
    • Laut „Charta für das Berliner Stadtgrün“ sind kleine Still- und Fließgewässer zu wertvollen Biotopen für die Fauna und Flora zu entwickeln und ihre Erlebbarkeit ist zu fördern. [21, 22]
    • Die „Charta für das Berliner Stadtgrün“ jedoch wurde kürzlich von Rot-Rot-Grün in den klinischen Tod diskutiert [23], vornehmlich wohl weil die SPD das Stadtgrün nur dann schützen möchte “wenn dem keine anderen öffentlichen Interessen entgegenstehen”[24]
    • Ausgleichsmaßnahmen für zu bebauende Grünflächen müssten in einem Wasserschutzgebiet vor Ort erfolgen. Dies ist aber für die extrem hochwertigen Flächen des Urstromtals in Karlshorst gar nicht möglich.
    • Ausgleichsmaßnahmen für die Bebauung des Carlsgartens (2004-2014) wurden zum Teil bis heute nicht umgesetzt. Jede Ankündigung von neuen Ausgleichsmaßnahmen ist daher als nicht realistisch anzusehen. [27]
  • Die die folgenden Verbände bündelnde, dem Bezirksamt vorgelegte kritische Position [25] der BLN Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturzschutz e.V.:
    • NaBU Naturschutzbund Deutschland
    • Grüne Liga Berlin
    • BUND für Umwelt und Naturschutz
    • Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
    • Baumschutzgemeinschaft Berlin
    • NaturFreunde
    • Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin
  • Die dem Bezirksamt vorgelegte kritische Position von Treptow-Köpenick zur vorgelegten Grenzbebauung, ferner, die fehlende Abstimmung zu diesem Vorhaben mit dem Nachbarbezirk und damit die Mißachtung des gemeinsamen Eckpunktepapiers von 2014. [26]
  • Bei weiter stark zunehmender Verdichtung erfolgt die vorgelegte Planung ohne bereits längst überfälligen Infrastrukturausgleich [5], auch der Platz für Gemeinschaftsflächen für Flohmärkte, Zirkus, Kultur etc. schwindet weiter. Bindende Nutzungsvorgaben möchte das Bezirksamt den Eigentümern im Interesse der Profitmaximierung lieber keine machen (vgl. Angabe “Mischgewerbe” statt konkreten Vorgaben im öffentlichen Interesse).
  • Der Pferdesport droht aus Karlshorst verdrängt zu werden, das vorgestellte Nutzungskonzept wird den Anforderungen an eine artgerechte Pferdehaltung nur unzureichend gerecht. Nutzungskonflikte sind vorprogrammiert (Dreck, Geruch, Insekten, Sportplatz direkt neben Fluchttieren).
  • Die Trabrennbahn, eingebettet in die grüne Wuhlheide und in das Berliner Urstromtal, gehört zu Karlshorst wie der Tiergarten zu Mitte und das Brandenburger Tor zu Berlin.
  • Das vorgelegte Konzept kann die Trabrennbahn nicht (wie behauptet) retten – es ist nur ein Tod auf Raten: [28]
    • Die evtl. aus Grundstücksverkäufen zu erzielende “Rettung der Trabrennbahn” müsste längst erfolgt sein, denn die Grundstücke sind bereits alle verkauft. [44]
    • Der hier seit über 15 Jahren agierende Betreiber [29] hat sich trotz riesiger Erlöse aus dem Verkauf des Carlsgartens bisher nicht gerade als erfolgreicher Retter erwiesen.
  • Die andauernde bewusste Verschleierung der tatsächlichen Baudimensionen [30]
  • Die trotz mehrfacher Nachfragen vom Baustadtrat Kevin Hönicke nicht offengelegte Auswertung nebst Methodik der Auswertung der nach der Projektvorstellung im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingegangenen Meinungen – der Karlshorst e.V. hat das Feedback dann ersatzweise ausgewertet. [42]
  • Das Argument des Baustadtrats und der unterstützenden politischen Akteure, eine Entwicklung des Geländes nebst “Rettung” der Trabrennbahn sei nur unter weitreichenden Zugeständnissen an die privaten Eigentümer möglich, ist schlichtweg falsch: 
    • Privatbesitz (eines unter Denkmal- und Biotopschutz stehendem Naturgebiets) bedeutet nicht automatisch Baurecht.
    • Erst ein Zugeständnis an die spekulierenden Privatbesitzer nimmt dem Bezirk abschließend die Möglichkeit, die Flächen gemäß dem politischen Auftrag, sowie bestehenden Flächennutzungs- und B-Plänen zu entwickeln. Ein Rückkauf der Flächen wurde nicht einmal in Betracht gezogen. [16, 31]

Welche Fragen bleiben offen?

  • Wer stellt sich hinter die Grundstückseigentümer? 
  • Wer hat wem und warum ermöglicht, die Flächen billig zu erwerben? 
  • Wer hilft wem bei der Schaffung eines Bodenwerts von ca. 100 Millionen Euro?
  • Wer genau profitiert von einer Änderung des bestehenden Flächennutzungsplans, und damit der Umwandlung von Grün- und Sportflächen in Bauland? 
  • Wie kann es dazu kommen das Bürgermeisterkandidat Kevin Hönicke nach wie vor behauptet, er würde mit der Bebauung die Bürgerinteressen vertreten, wenn die Ergebnisse der vorstehend benannten Projekte seit 2003 und auch die Reaktion auf das städtebauliche Konzept in 2020/21 diese Behauptung klar widerlegen?
  • Warum fällt es dem Bezirksamt so schwer die Anlagen des Projekts aus 2011-2014 beizubringen?

Das haben wir bisher erreicht:

  • Die vom Karlshorst e.V. initiierte Einwohnerversammlung [32, 33] und anschließende, fortdauernde AG-Arbeit. Eine vollständige Auflistung der Vielzahl an Recherchen, redaktioneller-, parlamentarischer- und Öffentlichkeitsarbeit, Arbeit an alternativen Nutzungskonzepten und zahllosen Besprechungen, AG-Sitzungen und der aktiven Beteiligung in BVV- und Ausschusssitzungen sprengt hier den Rahmen. Kumuliert einige tausend Stunden freiwilliger Arbeit in einem heterogenen Team aus Experten, Interessierten, und generell vorwärtsdenkenden Menschen; in- und außerhalb des Karlshorst e.V..
  • Den Einwohnerantrag [34, 35, 36, 36.1], mit dem Ziel, die geplante Bebauung zunächst zu verhindern und ein Alternativkonzept zu entwickeln.
    • Eine Rekordbeteiligung in Rekordzeit (unter epidemischer Lage) lässt hochrechnen, wie viele Anwohner die Trabrennbahn als Grün- und Erholungsfläche erhalten und den Pferdesport in Karlshorst behalten wollen.
    • Die BVV muß über den Einwohnerantrag entscheiden, und hat zur Beratung in die von der AG Trabrennbahn entsprechend begleiteten Ausschüsse überwiesen. [36.1]
    • Vorläufiges Ergebnis: Aufschub der Entscheidung, die Bildung eines runden Tischs [37] wird einer Entscheidung über den Einwohnerantrag vorangestellt.
  • Nächster Schauplatz: Runder Tisch

Wir begrüßen den Dialog, müssen jedoch aus Erfahrung bereits jetzt erwarten, das der runde Tisch wohl nichts weiter als ein Rundspülen der von den Eigentümern und dem Bezirksamt vorgelegten Planung bewirken, und die Zerstörung der Trabrennbahn demnach nicht verhindern wird.

UPDATE: Das Bezirksamt hat am 3.8.2021 in Ignoranz des laufenden Einwohnerantrags eine Änderung des Flächennutzungsplans (FNP) beim Senat beantragt. [45]

Aktuell erwartetes Ergebnis: Bebauung der Trabrennbahn.

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Wir treffen uns regelmäßig um uns zum aktuellen Sachstand auszutauschen und ggf. weitere Schritte und Aktionen zu planen.

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2 Gedanken zu „Bedroht: Trabrennbahn Karlshorst“

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