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Ein Sommerhaus am See

Hallo, liebe Bücherfreunde!

Lange konnten wir uns nicht sehen, nicht unsere Gedanken austauschen. Nicht nur ich vermisse diese angenehme Runde mit unseren kurzweiligen Gesprächen.

Jetzt möchte ich an dieser Stelle einen Ersatz anbieten, denn offenbar gibt es so bald noch kein grünes Licht für unsere Zusammenkünfte. Ich werde hier regelmäßig gelesene Bücher vorstellen, zur Information, auch mit dem Gedanken eines Forums, also in Erwartung auf eventuelle Beiträge von Euch, die Eure Gedanken reflektieren. Helga Linke als Mitinitiator unseres Bücherkreises wird hier im Wechsel mit mir verschiedene Bücher zum Lesen anbieten.

Macht bitte von der Kommentarfunktion Gebrauch. So erfahren wir am besten, wo Eure Interessen liegen. Dann stellen wir uns gerne darauf ein.

Als erstes habe ich „Ein Sommerhaus am See“ von Thomas Harding ausgewählt, ein empfehlenswertes Buch! Übrigens hatte mir dies Heidi Rümenap aus unserem Kreis der Bücherfreunde geliehen.

Zunächst denkt man bei dem Titel möglicherweise an Romantik, aber weit gefehlt. Thomas Harding tritt als Engländer mit deutschen Wurzeln auf. Seine Großmutter und viele seiner Familie (nicht alle!) konnten gerade noch der Vernichtung durch Flucht nach England entkommen. Seine Großmutter war Jüdin….

Der Titel ist real. Es geht um ein Holzhaus, gebaut in den 20er Jahren in einer Atmosphäre der Idylle. Nacherlebbar werden die Gegebenheiten in der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet, ebenso ein Leben im und nach dem Krieg verdeutlicht. Trotz des sachlichen Schreibstils treten viele Situationen menschlichen Verhaltens ins Bewusstsein, bringen lebendige Geschichte nahe. Ebenso erhellend ist für den Leser das Leben im Sommerhaus unter DDR-Bedingungen. Immer das gleiche Haus, immer musste es sich den neuen Besitzern ergeben.

Erst der Enkel der vertriebenen Jüdin, die mit der Erinnerung „Deutschland“ gebrochen hat, so weitgehend, dass die deutsche Sprache von ihr, der Großmutter, abgelehnt und nicht weitervermittelt wurde. Erst der englisch sprechende Enkel bringt nach dem Fall der Mauer Bewegung in das Dasein des „Sommerhauses“. Mit seiner Neugier, den Sehnsuchtsort seiner Großmutter wie auch die Zusammenhänge zu ergründen, gelang es ihm mit Hilfe einer ansässigen Deutschen als Dolmetscherin, schließlich mit einer großen Anzahl der Bewohner und mit der animierten „englischen Familie“ das verwüstete Anwesen zu entrümpeln, Gewuchertes zu verschneiden, das Haus zu säubern. So gibt es für das „Sommerhaus am See“ ein „Happy End“, das heute als „Alexander-Haus“, als Versöhnungshaus, unter Denkmalschutz steht.

So seid gegrüßt!

Annegret Wipprecht

P.S. Gern könnten wir auch Exemplare dieses Buches zum Kauf zur Verfügung stellen.

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