von Jürgen Meinel
Der Himmel ist blau, das Wetter ist schön,
die Kinder rufen : „MUTTER, wir wollen Eisessen gehn“!
Die Mutter darauf: „Wollt Ihr wirklich gehn“?
„Ihr müßt vor dem Laden ganz ganz lange stehn,
um ein oder zwei Kugeln Eis zu erhaschen,
damit ihr diese mit Appetit könnt vernaschen.
Und weil ihr bei Hitze ganz sicher werdet schwitzen,
geht das natürlich am besten im Sitzen,
und dort meine kleinen Schätzchen,
gibts keinen Sitzplatz für ein kindliches Schwätzchen“.
Die Kinder voll Freude: „Wir werden uns schon ein Plätzchen erschaun,
auf irgendeinem Treppchen oder einem Vorsprung am Zaun.“
„Das geht gar nicht“ sagt die Mutter, „Die Anwohner auf ihren Grundstücken,
sieht man im Umkreis von 100 Metern schon ganz böse blicken.
Auch sind schon viele Zettel zu sehn,
HIER KEIN EIS ESSEN! WEITERGEHN !““
Die Mutter hat für die Zettel durchaus Verständnis,
aber warum kommen die Anwohner nicht zu der Erkenntnis,
sich endlich zusammen zu tun
und nicht zu ruhn,
den Bezirkspolitikern klar zu sagen,
daß die Bürger soziale Flächen brauchen und mögen,
um soziale Beziehungen zu pflegen,
und daß man nicht jetzt oder irgendwann
alle Streifen und Ecken mit Wohnungen verantwortungslos zuklitschen kann,
den Investoren zu Gefallen.
SCHLIEßLICH:
DIE LETZTEN FREIEN FLÄCHEN GEHÖREN UNS ALLEN !
Vor allem im Prinzenviertel, hier im Bezirk
Dann erst kann man sagen: „WIR SIND EIN FAMILIENFREUNDLICHER BEZIRK“
UND HEUTE?
Es ist alles beim Alten geblieben. Geh ich die Wandlitzstraße lang,
seh ich die Schlange, die oft sehr sehr lang,
manchmal bis zur Heiligenberger.
Immer noch nichts zum Sitzen, aber Fahrradbügel. Das erzeugt bei mir Ärger.
Wär ich der Grieche gegenüber,
hätte ich Einnahmen über und über,
denn an meinem Gartenzaun würde ich lauter Klappsitze anschrauben
und jeden Eisfresser einen zusätzlichen Sitz-Euro rauben,
dann würd ich reich,
aber leider nicht gleich.