Sportplatz-Mangel in Karlshorst: Ursachen und Lösungsansätze

Die historische Ausgangslage

Der Grund, warum Karlshorst heute keinen öffentlichen Sportplatz besitzt, liegt in der Militärgeschichte des Ortsteils und seinen nachfolgenden Planungsentscheidungen. Nach dem Abzug der GUS-Streitkräfte 1993 verfiel das gesamte Kasernengelände in der Karlshorster Heide jahrelang brach. Im mittleren Bereich des ehemaligen Kasernenareals befand sich zwar ein Sportplatz, der jedoch seit Jahren ungenutzt brach lag und sich mit ruderalen Pionier-Trockenrasen überzogen hatte.

Die Entscheidung: Wohnen statt Sport

Bei der Neuplanung des Geländes ab den 1990er Jahren priorisierte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Wohnungsbau über Sportflächen. Der Bebauungsplan XVII-50aa, der die ehemalige Kasernenfläche regelt, sieht den Bereich als reines Wohngebiet vor – mit Fokus auf die Gartenstadtidee mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Die Fläche des ehemals ungenutzten Sportplatzes ist dabei vollständig als Wohnfläche ausgewiesen worden, nicht als Sportanlage.

Strukturelle Unterversorgung mit Sportflächen

Das Problem ist nicht auf die verschwundene Kasernensportfläche beschränkt. Karlshorst (Teil des Prognoseraums „Lichtenberg Süd“) hat ein erhebliches Defizit bei ungedeckten Sportflächen. Nach der Sportentwicklungsplanung Lichtenberg 2023/24 steht Karlshorst beim Versorgungsrichtwert für ungedeckte Kernsportanlagen bei nur 6% des erforderlichen Wertes – im Vergleich dazu erreichen andere Bezirksteile 60–94%.

Das Bezirksamt hat zwar die geplante Sportanlage am Blockdammweg 29 identifiziert, die als Teil der „Parkstadt Karlshorst“ (Bebauungsplan 11-47ba, ca. 1.000 Wohneinheiten) entstehen könnte, doch konkrete Umsetzungspläne und Zeitrahmen fehlen bis heute.

Versuche der Wiederbelebung – bislang erfolglos

Der Ortsteil erlebt seit Jahren intensiven Druck zur Schaffung von Sportflächen:

  • Der Verein Karlshorst e.V. und die Bürgerinitiative „Rettet den Ilse-Kiez“ kämpfen gegen die systematische Umwandlung von Grün- und Freiflächen in Wohngebiet. Der geplante HOWOGE-Neubau im Ilsekiez würde beispielsweise vier Spielplätze und einen Sportplatz in diesem Wohngebiet eliminieren.
  • Der CDU-Verordnete Benjamin Hudler stellte am 26. Januar 2026 eine Kleine Anfrage (KA/1088/IX) an das Bezirksamt mit konkreten Fragen zu Sportflächenentwicklung am Blockdammweg, Waldowallee und weiteren Standorten – bisher ohne verbindliche Antworten.
  • Ein Beschluss der BVV von 2023 zur Schaffung eines Sportplatzes Waldowallee/Köpenicker Allee für Karlshorst Ost bleibt nach drei Jahren ohne sichtbare Umsetzung.

Der zentrale Widerspruch: Wachstum ohne Infrastruktur

Während Parkstadt Karlshorst und Karlshorst Ost in den letzten Jahren stark gewachsen sind, bleibt die Sportinfrastruktur stagnant. Dies schafft eine paradoxe Situation: Die Stadt baut aggressiv Wohnungen und verdichtet Quartiere (wie beim geplanten Ilsekiez-Projekt), eliminiert dabei aber bestehende Sport- und Spielflächen, ohne neue zu schaffen.

Ausblick

Für Karlshorst ist ein echter Sportplatz aktuell nicht geplant – nur optionale Flächen (Blockdammweg, mögliche Zusammenhänge mit Trabrennbahn-Bebauung) werden diskutiert. Die zivilgesellschaftliche Unruhe wächst, wie die jüngste Kleine Anfrage zeigt, doch ob das Bezirksamt endlich konkrete Maßnahmen mit realistischen Zeitplänen liefert, bleibt abzuwarten.

Kurz gesagt: Karlshorst hat keinen Sportplatz, weil die 1990er-Jahre-Planungsentscheidung Wohnen vor Sport priorisierte und weil bis heute trotz erkannten Defizits kein politischer Wille zur konkreten Umsetzung neuer Sportflächen erkennbar ist.