Demokratie braucht Orte der Begegnung, verständliche Informationen und Menschen, die sich einmischen. Mit seiner Bewerbung für den Demokratiepreis 2026 macht Karlshorst e.V. sichtbar, wie vielfältig demokratisches Engagement im Alltag eines Ortsteils sein kann.
Der Demokratiepreis des Bezirksamts Lichtenberg würdigt Initiativen, Vereine und Einzelpersonen, die sich für ein demokratisches Miteinander einsetzen. Karlshorst e.V. bewirbt sich mit einer Arbeit, die Gemeinschaft stiftet, Beteiligung ermöglicht und die Entwicklung des Ortsteils kritisch begleitet.
Demokratie im Kiez
Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen und Beschlüssen. Sie entsteht auch dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Informationen teilen, unterschiedliche Interessen aushandeln und Verantwortung für ihr unmittelbares Lebensumfeld übernehmen.
Karlshorst e.V. schafft hierfür seit Jahren Möglichkeiten: Der Verein vernetzt Menschen und Einrichtungen, vermittelt Informationen und ermutigt Bewohnerinnen und Bewohner, sich mit ihren Fragen, Ideen und Sorgen einzubringen. Das Webportal karlshorst.de trägt diesen Anspruch im Leitmotiv: Informieren – Mitmachen – Gestalten.
Gemeinschaft sichtbar machen
Ein besonderer Höhepunkt war die Ortsteilfeier „130 Jahre Karlshorst“ im Jahr 2025. Unter der Trägerschaft von Karlshorst e.V. entstand ein vielfältiges Programm, das Initiativen, Einrichtungen, Kulturschaffende und Menschen verschiedener Generationen zusammenführte.
Die Feier würdigte nicht nur die Geschichte des Ortsteils, sondern machte auch seine gegenwärtige Vielfalt sichtbar. Für dieses freiwillige Engagement wurde die Initiative „130 Jahre Karlshorst“ mit dem Lichtenberger Bezirkstaler ausgezeichnet.
Beteiligung praktisch ermöglichen
Karlshorst e.V. versteht demokratische Mitwirkung als praktische Aufgabe. Der Verein hat mehrere Einwohneranträge initiiert oder unterstützt und damit dazu beigetragen, dass Anliegen aus dem Ortsteil in der Bezirksverordnetenversammlung beraten werden.
Mit dem aktuell gestarteten Bürgerbegehren zur Zukunft der Trabrennbahn Karlshorst setzt sich der Verein zudem für eine verbindliche öffentliche Debatte über Stadtentwicklung, Freiräume und die Zukunft des Ortsteils ein. Menschen sollen nicht erst informiert werden, wenn Entscheidungen praktisch gefallen sind, sondern an den Fragen beteiligt sein, die ihr Wohnumfeld dauerhaft prägen.
Stadtentwicklung kontrollieren
Zur demokratischen Arbeit gehört auch eine wachsame Öffentlichkeit. Karlshorst e.V. begleitet die Stadtentwicklung kritisch und kontinuierlich, insbesondere bei Bauvorhaben, Bebauungsplänen und Fragen der sozialen Infrastruktur.
Der Verein nimmt regelmäßig an den Sitzungen des Ausschusses für Ökologische Stadtentwicklung, Mieter:innenschutz und Facility Management der BVV Lichtenberg teil. Durch Einwohnerfragen, Informationsfreiheitsanfragen und die Prüfung von Planungsunterlagen werden Entscheidungen nachvollziehbar gemacht und örtliche Anliegen in die politischen Beratungen eingebracht.
Wo es erforderlich ist, stellt der Verein kritische Öffentlichkeit her. Und wenn Beteiligungsrechte, Transparenz oder öffentliche Interessen gefährdet erscheinen, können auch juristische Kontrollverfahren ein notwendiger Bestandteil demokratischer Verantwortung sein. Dies ist kein Gegensatz zu demokratischen Institutionen: Eine demokratische Verwaltung gewinnt an Legitimität, wenn sie nachvollziehbar handelt und überprüfbar bleibt.
Mehr als ein Projektpreis
Viele Demokratiepreise würdigen einzelne Projekte: Bildungsangebote gegen Rassismus, Erinnerungsarbeit, interkulturelle Begegnung, Jugendbeteiligung oder den Einsatz gegen Rechtsextremismus. Diese Arbeit ist unverzichtbar.
Der Ansatz von Karlshorst e.V. ergänzt diese Perspektive. Der Verein verbindet soziale Demokratiearbeit mit kommunalpolitischer Beteiligung und kritischer Kontrolle öffentlicher Entscheidungen. Seine Leistung liegt nicht nur in einer einzelnen Aktion, sondern im Aufbau einer dauerhaften demokratischen Infrastruktur im Ortsteil.
| Demokratieverständnis | Beitrag von Karlshorst e.V. |
|---|---|
| Demokratie als Begegnung | Menschen, Initiativen und Generationen im Ortsteil zusammenbringen |
| Demokratie als Teilhabe | Einwohneranträge, Bürgerbegehren und Beteiligung praktisch nutzbar machen |
| Demokratie als Transparenz | Informationen recherchieren, verständlich aufbereiten und öffentlich zugänglich machen |
| Demokratie als Kontrolle | Planungen kritisch begleiten, Fragen stellen und Verwaltungshandeln überprüfbar machen |
| Demokratie als Gemeinsinn | Verantwortung für Karlshorst und seine langfristige Entwicklung übernehmen |
Einmischung erwünscht
Karlshorst e.V. steht für eine Demokratie, die im Kiez beginnt: offen, sachlich, streitbar und solidarisch. Der Verein schafft Gelegenheiten zur Begegnung, unterstützt Menschen bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und setzt sich dafür ein, dass auch kritische Stimmen gehört werden.
Mit der Bewerbung um den Demokratiepreis 2026 wird diese Arbeit sichtbar gemacht. Sie ist zugleich eine Einladung an alle Karlshorsterinnen und Karlshorster, sich weiter zu informieren, mitzureden und ihren Ortsteil mitzugestalten.